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Kontingenzerfahrung. Gabe, Gewalt und Emotionalität bei Gottfried von Straßburg

Der Minnetrank ist eine magische Gabe, die versehentlich Brautwerbungshelfer und Braut aneinander bindet. Gottfried verschiebt die Logiken des Gebens und Nehmens. Das Trinken ist kontingent. Das Gewaltpotential der Gabe ist im lebenslangen Zwang nach innen gewendet und vergiftet das Paar auf einen ewigen Tod hin. Durch den Ausschluss jeder Gegengabe gibt es kein Tauschobjekt im Sinne der archaischen Rechtsformel des do ut des. Der Gabencharakter selbst ist verschleiert. Doch liegt im Bekenntnis zum ewigen Sterben möglicherweise der Tauschwert, der die aporetische Struktur dieser Gabe markiert: Das Aufgeben des Lebens wird im Hingeben und im Blick auf die Zwanghaftigkeit zum maßlosen Verausgaben.

The courtly love potion is a magical gift that accidentally binds courtship helper and bride together. Gottfried shifts the logic of giving and receiving. The drinking of the potion is contingent. The potential for violence in the gift is of an internal nature: it consists of a lifelong compulsion and poisons the couple, leading them to an eternal death. The exclusion of any gift in return means that there is no bargaining in the sense of the archaic legal formula do ut des. The character of the gift itself is obscured. But the exchange value may lie in the commitment to eternal death, which marks the aporetic structure of this gift: in the surrender and obsession, the giving up of life becomes an inordinate sacrifice.

DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2014.01.03
Lizenz: ESV 🡭
ISSN: 1868-7806
Ausgabe / Jahr: 1 / 2014
Veröffentlicht: 2014-05-14
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