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„Von sich selbst erzählen. Historische Dimensionen des Ich-Erzählens“

Auf einer Miniatur des von Pierre Sala zusammengestellten „Petit livre d’Amour“ nähert sich das als Mann personifizierte Ich einer Margerite und schickt sich an, ‚sein‘ Herz in den Kelch der Blüte zu werfen. Das Buch war ein Werbungsgeschenk für Salas spätere Ehefrau, Marguerite, und lässt sich auf die Zeit zwischen 1500 und 1519 datieren. Frappierend an der Darstellung ist nicht nur der Kontrast von genauer Ausgestaltung der Szenerie und der Fragmentarität der männlichen Figur, die an Gesicht und Händen leere Flächen aufweist, die für eine spätere biographisch authentische Gestaltung durch einen Portraitmaler ausgespart blieben. Vielmehr überspringt die Illustration Gegensätze, wenn sie das lyrische Ich des nebenstehenden Textes an einem unklarer Ort zwischen Innen- und Außenwelt in Szene setzt: Sie verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Referentialität, zwischen exemplarischer Topik und Individualisierung ebenso wie die zwischen abstrakt-allegorischer Ideenwelt und konkreter Lebenswelt.

DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2014.01.09
Lizenz: ESV
ISSN: 1868-7806
Ausgabe / Jahr: 1 / 2014
Veröffentlicht: 2014-05-14
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Dokument „Von sich selbst erzählen. Historische Dimensionen des Ich-Erzählens“