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Inhalt der Ausgabe 01/2013

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Poetische willekür

Der Beitrag diskutiert die Autorentwürfe in Rudolfs von Ems „Weltchronik“. Die häufig problematisierte Überblendung von Schöpfungshandeln und Textproduktion wird als ein anspielungsrhetorischer Effekt rekonstruiert. Es wird die These entwickelt, dass der spannungsreichen rhetorischen Anlage des Prologs insgesamt ein profanes Verständnis von Autorschaft unterlegt ist, das unterschiedliche Lektüre-Angebote zur Wahl stellt.

Das Häslein ist kein Sperber – Multiperspektivisches Erzählen im Märe

Im „Sperber“ verkauft ein unwissendes Mädchen seine Minne. Dass der Ritter die Unbedarftheit des Mädchens ausnutzt, erscheint in der Perspektivenstruktur als unproblematisch – ähnlich im ersten Teil des „Häslein“. Im zweiten Teil des „Häslein“ kommt es zu einer Revision der Wertungsstruktur – obwohl weitere evaluierende Erzähleräußerungen ausbleiben. Nachdem auf den Schaden des Mädchens fokussiert wird, muss der Ritter zu einer Neubewertung der vorausgehenden Ereignisse gelangen.

Frühneuhochdeutsche und mittelniederdeutsche Syntax im Kontrast

Die älteste Vollbibel Luthers von 1534 und die praktisch gleichzeitig erschienene, den Luther-Text ins Niederdeutsche transponierende Bugenhagen-Bibel zeigen in Bezug auf die Abfolge akkusativischer und dativischer Personalpronomen (und in Bezug auf das Auftreten klitischer Pronominalformen) bemerkenswerte Unterschiede. Dies ist besonders aufschlussreich, weil zwischen den beiden Bibeln eine enge textuelle Abhängigkeit besteht.

In Vergeß Stellen. Phraseologische Wendungen um 1600

Johan Piscator, Theologe und Professor an der Hohen Schule in Herborn, Grafschaft Nassau-Katzenelnbogen (Hessen), versah seine Bibelübersetzung (1602–1604) für die Reformierten Kapitel für Kapitel mit Erklärungen und Lehren. Die hier vorgestellten phraseologischen Wendungen stammen allesamt aus den ‚Lehren- Abschnitten‘ ausgewählter Bibeltexte. Sie repräsentieren also den damaligen aktiven Gebrauch solcher Wendungen ein- und derselben Person um 1600.

Miszelle

Wat den bin Ic?

Dieser Artikel behandelt ein lange verschollenes, zuletzt von Margarete Lang in der Textanthologie „Ostdeutscher Minnesang“ (1958) teilweise abgedrucktes, anonymes Minnelied. Der zweistrophige Text wurde im 13. Jahrhundert am Ende einer Halberstädter Priscian-Handschrift (Domschatz Inv.-Nr. 468) eingetragen (Strophe 1: hochdeutsch; Strophe 2: niederdeutsch) und mit adiastematischen Neumen versehen. Text und Melodie des Liedes werden hier erstmals gemeinsam ediert und interpretiert.

Diskussion

Queer Studies in der Mediävistik: Anspruch und Wirklichkeit – Teil 2

„Während der queer turn in der nordamerikanischen Mediävistik längst vollzogen wurde, übt sich die deutsche Mediävistik immer noch in Zurückhaltung. Dabei tut die perspektivische Korrektur, die Entideologisierung des hermeneutischen Blicks auch hierzulande Not. Ideologisch ist ja nicht eine Forschungsrichtung, die die Prämissen der Heteronormativität in Frage stellt, sondern eine solche, die sie in der Lektüre fraglos reproduziert. Die Notwendigkeit des queer turn ist eine Frage nicht nur der politischen, sondern auch der akademischen correctness, sie ist ein Gebot der wissenschaftlichen Integrität“. Deshalb mahnt Andreas Kraß nun „die heteronormativitätskritische Erweiterung des [mediävistischen, R. S.] Forschungshorizonts“ an.

Buchbesprechungen

Joachim Heinzle: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch

„In den letzten Jahrzehnten hat die Wolfram-Forschung einen Umfang erreicht, der es dem Einzelnen unmöglich macht, alles zu überschauen und zu würdigen,“ schrieb Joachim Bumke im Vorwort zur achten Auflage des in der Sammlung Metzler 2004 erschienenen Bands zu Wolfram von Eschenbach (S. V).

Friedrich Michael Dimpel: Die Zofe im Fokus. Perspektivierung und Sympathiesteuerung durch Nebenfiguren vom Typus der Confidente in der höfischen Epik des hohen Mittelalters

Narratologische Ansätze sind in den letzten Jahren zu einem wichtigen Analyseinstrument für mediävistische Untersuchungen geworden. Sie ermöglichen es, Besonderheiten mittelalterlicher Literatur zu charakterisieren, und haben neue Erkenntnisse über kanonische Werke hervorgebracht. In diesen Kontext ist auch die Studie von Friedrich Michael Dimpel einzuordnen, die im WS 2009/ 2010 von der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Habilitationsschrift angenommen wurde.

Monika Unzeitig: Autorname und Autorschaft. Bezeichnung und Konstruktion in der deutschen und französischen Erzählliteratur des 12. und 13. Jahrhunderts

Die in den 1990er Jahren erregt geführte Debatte über den ‚Tod des Autors‘ hat in den letzten Jahren an emotionaler Schärfe verloren, dafür an terminologischer Präzision und historischer Differenzierung gewonnen. Es geht nicht mehr um die Frage, ob wir für das Mittelalter von einem ‚Autor‘ sprechen können, sondern darum, die besonderen Kennzeichen mittelalterlicher Autorschaft zu erfassen und in ihren vielfältigen Ausprägungen zu beschreiben.

Harald Haferland, Matthias Meyer (Hg.): Historische Narratologie. Mediävistische Perspektiven

Die in der Mediävistik omnipräsente Alteritätsdebatte schlägt sich auch in dem zu besprechenden Sammelband nieder. 1 Er geht zurück auf eine Tagung an der Universität Osnabrück aus dem Jahr 2007, auf der die Frage diskutiert wurde, ob und wie narratologische Kategorien auf die mittelalterliche Literatur angewendet werden können. Weil das Instrumentarium der Narratologie an modernen Romanen entwickelt wurde, steht die mediävistische Forschung unter einem gewissen Legitimationszwang.

Christian Kiening: Unheilige Familien. Sinnmuster mittelalterlichen Erzählens

Das Buch, das die Reihe „Philologie der Kultur“ eröffnet, bildet ein Resümée und zugleich einen Rahmen früherer Studien des Verfassers zu Sinndimensionen familialer und genealogischer Konstellationen in der Literatur des Mittelalters. Vier Kapitel gehen auf bereits publizierte Aufsätze zurück, die dem Rahmen entsprechend bearbeitet und nach dem Forschungsstand aktualisiert worden sind.

Monika Costard: Spätmittelalterliche Frauenfrömmigkeit am Niederrhein. Geschichte, Spiritualität und Handschriften der Schwesternhäuser in Geldern und Sonsbeck

Werke wie die hier zu besprechende von Kaspar Elm angeregte Dissertation von Monika Costard entstehen heute in der Regel nicht in einer ‚Gelehrtenstube‘, sondern in öffentlich geförderten Forschungsgruppen an Universitäten oder Akademien. In einschlägigen Kreisen hatte man von dieser Arbeit aufgrund vieler verstreut erschienenen ‚Vorarbeiten‘ der Verfasserin schon lange gewusst und auf ihre Fertigstellung gewartet.

Liste eingesandter Bücher

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