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Inhalt der Ausgabe 03/2010

Inhalt

Inhaltsverzeichnis/Impressum

Aufsätze

Das Echo des Bildes. Narration und poetische Emergenz bei Heinrich von Morungen

Der Beitrag schlägt vor, den zeitlich paradoxen ästhetischen Intensivierungseffekt verstetigter Neuartigkeit als poetische Emergenz zu bezeichnen und wendet den Begriff in einem Versuch narratologisch angeleiteter Lyrikanalyse auf die Poetik Morungens im Allgemeinen und auf das „Narzisslied“ im Besonderen an. In dem für Morungen spezifischen Verhältnis von Visualität und Klanglichkeit erweist sich nicht nur, wie Zeit prinzipiell narrativ vorkonstruiert werden muss, um immer neu überschritten zu werden. Das „Narzisslied“ zeigt überdies, wie sich die mediale Qualität des anti narrativen lyrischen Diskurses hier darüber bestimmt, visuelle Distanz durch die Kontaktkategorie des Klanges aufzuheben.

Freundschaft bei Walther von Breisach und dem Kanzler

Die Freundschaftsstrophen des Kanzlers und Walthers von Breisach werden vor dem Hintergrund der amicitia-Behandlung Walthers von der Vogelweide und Spervogels als Neuerungen in der Spruchdichtung fasslich: An die Stelle der Gemeinschaft von Alter und Ego stellen die Schulmeister die Idee eines für sich stehenden Ich, das bei Walther von Breisach zudem einen Innenraum entwickelt, der dem Ego zugehört und nicht von der Freundschaft abhängig ist. Die Freundschaft wird dabei unterschiedlich hierarchisiert: Der Kanzler ordnet sie der Verwandtschaft über, Walther von Breisach ordnet sie der Minne unter.

Die bor(a)-Bildungen im Alt- und Mittelhochdeutschen und Mittelniederländischen. Lexikalische Semantik zwischen Etymologie, Syntax, Wortbildungslehre und Stilistik

Der Aufsatz widmet sich einem seit Jacob Grimm (1826) bekannten, bislang aber ungelösten Problem der mhd. (und mnl.) Wortbildungslehre, Syntax und Lexikographie: einer Reihe von Adjektiven und Adverbien, die mit dem an sich steigernden Präfix bor(e)- gebildet sind, aber in verneinender Bedeutung gebraucht werden können. Die Untersuchung zeigt, dass die Bildungen im Ahd. nur in negierten Sätzen und stets in der Stilfigur der Litotes vorkommen. Diese litotische Bedeutung der bor(e) Bildungen war bereits lexikalisiert, als sich der Wandel von der ahd. zur mhd. Negationssyntax vollzog, wie das Fehlen von niht in durch ne/en negierten Sätzen mit bor(e)-Bildungen im Frühmhd. zeigt; ne/en ist hier also pleonastisch geworden.

Zu Form und Gebrauch des Partizips Präsens in der Geschichte der ostjiddischen Schriftsprache. Mit einem Ausblick auf das moderne ultraorthodoxe Schriftjiddisch Satmarer Prägung

In der vorliegenden Studie wird anhand zahlreicher Originalbelege aus der Zeit von 1815 bis heute die Geschichte des Nebeneinanders der zur Bildung des Partizips Präsens eingesetzten Formanzien -(e)ndik und -(e)nd im Ostjiddischen nachgezeichnet. Schwerpunkte der Darstellung sind die Chronologie des Vorkommens von -(e)nd, die Einteilung der ostjiddischen Quellen in Gruppen je nachdem, welchen Status -(e)nd darin besitzt, die syntaktische Distribution von -(e)ndik und -(e)nd in Texten, in denen die zwei Formanzien kookkurrieren, und schließlich das Wiederauftreten von -(e)nd, das im weltlichen Schriftjiddisch bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem ererbten Formans -(e)ndik hatte weichen müssen, im modernen ultraorthodoxen Jiddisch.

Periodisierung und Interesse. Die Mitte des 20. Jahrhunderts im Fokus der germanistischen Sprachgeschichtsschreibung

Die Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte folgt verschiedenen Erkenntnisinteressen. Dies zeigt sich insbesondere in der Diskussion um die Mitte des 20. Jh.s als Beginn einer neuen sprachgeschichtlichen Periode des Deutschen: Neben genuin linguistischen Erkenntnisinteressen ist diese Diskussion insbesondere auch durch politische, soziale und didaktische Interessen geprägt, die für die germanistische Sprachwissenschaft von entscheidender Bedeutung sind.

Miszelle

Valentine Pakis: Line One of “Christus und die Samariterin” (ÖNB 515)

The Old High German poem known as “Christus und die Samariterin”, a paraphrase of John 4.6-20, is preserved in the space that remains after the last entry of the Carolingian “Annales Laureshamenses” in Österreichische Nationalbibliothek 515, fol. 5r (with a brief emendation on the preceding folio), and it is written in a different hand than that responsible for the Latin chronicle preceding it. Like all remnants of Old High German verse, it has been edited and reproduced many times without significant variation.

Tagungsbericht

‚Liebe schenken‘. Liebesgaben in der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit – Kiel, 10.–12. Dezember 2009. Literarizität und Poetologie der Liebesgabe – Zürich, 06.–08. Mai 2010

Obwohl das anthropologische Themenfeld von ‚Gabe, Tausch, Geschenk‘ seit vielen Jahren die Aufmerksamkeit der Geistes- und Kulturwissenschaften erregt – Mauss und Derrida sei Dank –, ist die Liebesgabe als literaturwissenschaftlicher Gegenstand überraschenderweise bisher kaum in den Blick geraten. Zwar widmete sich die Forschung den Diskursivierungen von Gabe/Geben und Liebe/Begehren, doch finden sich bisher nur einzelne Versuche, beide Phänomene systematisch zusammenzuführen und so das diskursive Konflikt- und poetologische Reflexionspotenzial der Liebesgabe für eine genauere Analyse fruchtbar zu machen. Auf dieses Desiderat reagierte eine von Margreth Egidi, Ludger Lieb und Mireille Schnyder gemeinsam durchgeführte Doppeltagung unter dem Titel ‚Liebe schenken‘, die in Kiel vom 10. bis 12. Dezember 2009 und in Zürich vom 6. bis 8. Mai 2010 stattfand.

Buchbesprechungen

Victor Millet: Germanische Heldendichtung im Mittelalter. Eine Einführung. Berlin 2008 (De Gruyter Studienbuch), XII und 503 Seiten

Der Verfasser legt in dieser Einführung eine umfassende und übersichtliche Darstellung dessen vor, was die Literaturgeschichten als germanische Heldendichtung zu bezeichnen pflegen. Er hat sich gründlich mit den einzelnen Zeugnissen vertraut gemacht, verfügt souverän über den Stoff und bietet durchaus eine ‚wissenschaftliche Monographie‘ seines Gegenstandes, auch wenn er dies nicht beanspruchen will (S. VI).

Silvia Schmitz: Die Poetik der Adaptation. Literarische inventio im „Eneas“ Heinrichs von Veldeke, Niemeyer, Tübingen 2007 (Hermaea. Germanistische Forschungen. N. F. 113), VI und 385 Seiten.

Wie entstand in produktionsästhetischer Perspektive der höfische Roman? Wie hat man sich die konkreten poetischen Arbeitsschritte und Arbeitsweisen vorzustellen, unter denen diese hochmittelalterliche Texte – gearbeitet meist nach französischen oder lateinischen Vorlagen – bis zu einem Umfang von 20 oder 30 000 Versen verfasst wurden, die ein adlig-laikales, wohl meist illiterates Publikum im Auge hatten?

Christa Bertelsmeier-Kierst: Kommunikation und Herrschaft. Zum volkssprachlichen Verschriftlichungsprozeß des Rechts im 13. Jahrhundert, Hirzel Verlag, Stuttgart 2008 (ZfdA, Beiheft 9), 250 Seiten

Dass im 13. Jahrhundert für alle Lebensbereiche die Schriftlichkeit – sowohl in lateinischer wie auch in deutscher Sprache – stark zunimmt, ist eine bekannte Tatsache. Im Bereich des Rechts handelt es sich um eine Veränderung in zweifacher Hinsicht: Neben lateinischen entstehen deutsche Schriftstücke, und mündliche Verfahrensweisen werden mehr und mehr in die Schriftlichkeit überführt.

Sangspruchdichtung. Gattungskonstitution und Gattungsinterferenzen im europäischen Kontext. Internationales Symposium Würzburg, 15.–18. Februar 2006, hg. v. Dorothea Klein zusammen mit Trude Ehlert u. Elisabeth Schmid, Niemeyer, Tübingen 2007, XIX und 406 Seiten.

Das Symposium, das der vorliegende Band dokumentiert, feiert die (vorläufige) Fertigstellung des „Repertoriums der Sangsprüche und Meisterlieder“, das eine der großen Leistungen der jüngeren deutschen Mediävistik darstellt, an der sämtliche philologischen Tugenden – Sachkunde, Fleiß, Sorgfalt – Anteil haben. Ein enormes Material ist damit auf mustergültige Weise erschlossen.

Andreas Nievergelt: Die Glossierung der Handschrift Clm 18547b. Ein Beitrag zur Funktionalität der mittelalterlichen Griffelglossierung, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2007. (Germanistische Bibliothek 28), 968 Seiten, Abbildungen im Text und auf 12 Tafeln im Anhang

Die vorliegende Veröffentlichung ist die Druckfassung einer von Elvira Glaser betreuten Züricher Dissertation (2004). In der Einleitung werden Ausgangslage und Zielsetzung sowie das Vorgehen und der Aufbau der Arbeit behandelt. „Teil I“ der Arbeit „Methodische Vorklärungen“ besteht aus den Kapiteln 2 „Glossierungsschichtung und Eintragungstypen“ (S. 41–60) und 3 „Die Griffeleintragung als Eintragung vom Typ B“ (S. 61–92).

Hermann Paul: Mittelhochdeutsche Grammatik. 25. Auflage, neu bearbeitet von Thomas Klein, Hans-Jürgen Solms, Klaus-Peter Wegera. Mit einer Syntax von Ingeborg Schröbler, neu bearbeitet und erweitert von Heinz-Peter Prell, Max Niemeyer, Tübingen 2007 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte A. Hauptreihe 2), XX und 618 Seiten

Die Mittelhochdeutsche Grammatik von Hermann Paul, deren inzwischen 25. Auflage hier zu besprechen ist, hatte in der Erstauflage von 1881 einen Umfang von knapp 80 Seiten. Bis zur 10. Auflage von 1918, der letzten von Hermann Paul selbst betreuten, war sie bereits auf ca. 240 Seiten angewachsen. In gewisser Weise hatte also schon Paul selbst begonnen, sich von der ursprünglichen Konzeption einer „kleinen grammatik … für studenten“ (1. Aufl. S. V) zu entfernen.

Rolf Thieroff, Petra M. Vogel: Flexion, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2009 (Kurze Einführungen in die Germanistische Linguistik, Bd. 7), 100 Seiten

Mit der Darstellung zur Flexion des Deutschen ist ein weiteres Bändchen in der sehr nützlichen und durch kluge Autorenwahl guten Reihe „Kurze Einführungen in die Germanistische Linguistik“ erschienen. Die Autoren eröffnen mit dem treffenden Hinweis auf die stiefkindliche Rolle, die der Flexion im Rahmen der Grammatikographie im Allgemeinen zukommt. Umso mehr ist diese Einführung, die damit zugleich auch eine große Lakune füllen will, zu begrüßen.

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