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Inhalt der Ausgabe 04/2014

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Lessings Lustspiel "Die Juden" im Kontext seiner Kritik des christlichen Antisemitismus

Lessings aufklärerische Religionskritik hat von den frühen bis zu den späten Schriften einen besonderen Schwerpunkt in einer Kritik des christlichen Antisemitismus. Das wird von manchen Richtungen der Lessing-Forschung nicht angemessen wahrgenommen. Im Gegenzug dazu wird diese Kritik hier exemplarisch an dem Lustspiel „Die Juden“ aufgewiesen und in den Kontext des Gesamtwerks gestellt.

Briefroman, Monodrama, Lyrisches Gedicht

Die aufklärerisch-empfindsame Neubestimmung von Einsamkeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist, so die These dieses Beitrags, aufs Engste mit der Umgestaltung des überlieferten Gattungsgefüges in dieser Zeit verbunden. Das einsame Selbstgespräch nämlich bestimmt die Kommunikationsstruktur der drei kurzzeitig populären Gattungen Briefroman, Monodrama und lyrisches Gedicht. Begreift man Goethes „Werther“-Roman als Reflexion und Radikalisierung dieser historischen Gattungsästhetik der Autokommunikation, lässt sich seine literaturgeschichtliche Bedeutung präziser fassen als mit der bisher gängigen Bezeichnung als ‚monologischer Briefroman‘.

Dichtende Dichtungskritik

In der Einleitung zu seiner Ausgabe der Schriften von J.M.R. Lenz aus dem Jahre 1828, die 1848 unter dem Titel „Goethe und seine Zeit“ neu herausgegeben wurde, unternimmt Ludwig Tieck den Versuch, die Bedeutung Goethes und seines Werks für die deutsche Literatur und Kultur zu bestimmen. Formal ist diese umfänglichste essayistische Arbeit Tiecks dabei als Gespräch einer Gruppe von Freunden angelegt und greift auf unterschiedliche literarische Formen zurück. Der vorliegende Beitrag legt dar, dass in „Goethe und seine Zeit“ die frühromantische Forderung nach einer anti-normativen und liberal-pluralistischen Dichtungskritik sowohl explizit thematisiert als auch in der formalen Anlage des Essays selbst umgesetzt wird. Der Text wird somit als Exempel einer selbst dichtenden Dichtungskritik verstanden und darüber hinaus in den Kontext von Tiecks allgemeineren Überlegungen zu Literatur und Literaturkritik gerückt.

"Vorführung meiner Blutsverwandten"

Der vorliegende Aufsatz liest Else Lasker-Schülers orientalische Schriften als Station ihrer jüdischen Identitätsfindung. Dabei wird mit Hilfe von verschiedenen Textfassungen und Briefen aufgezeigt, dass sich die arabischen Konnotationen der Protagonisten dieser Texte, Prinzessin Tino von Bagdad und Prinz Jussuf von Theben, die Lasker-Schüler zugleich als Ich-Figurationen verwendet, sukzessive zum Jüdischen hin verschieben. Schließlich wird anhand der Lasker-Schüler’schen Konzeption vom „wilden Juden“ sowie anhand des Spätwerks „Das Hebräerland“ Lasker-Schülers Idealbild vom orientalischen Juden rekonstruiert, das sie unter Bezugnahme auf das Arabisch-Orientalische entwirft.

‚Die Dame mit dem langen Hals‘

Thomas Bernhards letzter umfangreicherer Prosatext, der Roman „Auslöschung. Ein Zerfall“ (1986), erweist sich als in seinem Redegestus grundlegend von Verfahren der Bildpraxis strukturiert, die auf die Ästhetik des Manierismus verweisen. Ausgehend von manieristischer Bildlichkeit in Malerei und Fotografie übersetzt der Text die Prinzipien von Verzerrung und Übertreibung rhetorisch in das Medium literarischer Sprache und gruppiert seine Narration um das Motiv der figura serpentinata.

Miszelle

Aparte Lektüren

In einer voluminösen Untersuchung hat sich Marcus Hahn mit dem Eingang des medizinischen, biologischen und anthropologischen Wissens in Benns Werk beschäftigt. Der Monographie sind etliche Vorarbeiten vorangegangen, die zwischen 2004 und 2010 in Zeitschriften sowie Sammelbänden erschienen sind und die vieljährige Beschäftigung ihres Verfassers mit dieser Fragestellung dokumentieren. Sie umfasst die Zeitspanne von Benns Medizin-Studium an der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen bis zu dessen Aufnahme in die Dichtersektion der Preußischen Akademie der Künste und soll durch einen dritten, mit dem Bekenntnis zum NS-Staat einsetzenden Band komplettiert werden.

Buchbesprechungen

Helmut J. Schneider: Genealogie und Menschheitsfamilie. Dramaturgie der Humanität von Lessing bis Büchner

Rezensionen haben die Aufgabe, den Leser vor einem Buch zu schützen. Am besten sind sie also, wenn sie ausdrücklich vor dem jeweiligen Buch warnen. Notfalls können sie den Leser auch dadurch vor dem Buch bewahren, dass sie es lobend zusammenfassen, dabei aber bereits alles Wichtige referieren und es damit überflüssig machen. Hier liegt der Fall anders.

Jörg Robert: Vor der Klassik. Die Ästhetik Schillers zwischen Karlsschule und Kant-Rezeption

Die Rezeption der Ästhetik Kants gilt gewöhnlich als die Erfahrung in Schillers intellektuellem Werdegang, welche neben der Freundschaft mit Goethe sein späteres Werk entscheidend geprägt habe. Die Interpreten folgen darin der Selbsteinschätzung Schillers und grenzen mit ihrer Hilfe die frühe von der formal sehr viel strengeren ‚klassischen‘ Werkperiode ab.

Norbert Christian Wolf: Kakanien als Gesellschaftskonstruktion. Robert Musils Sozioanalyse des 20. Jahrhunderts

„Der Mensch ist nicht komplett und kann es nicht sein. Gallertartig nimmt er alle Formen an, ohne das Gefühl der Zufälligkeit seiner Existenz zu verlieren“, so Robert Musil 1926 in einem Interview über sein Romanprojekt „Der Mann ohne Eigenschaften“. Der Mensch in Musils Anthropologie ist gestaltlos. Zu allem und nichts fähig, ist seine Formung historisch variabel und unter anderem abhängig von gesellschaftlichen Strukturen und sozialen Umständen, die im „Mann ohne Eigenschaften“ eine immense Rolle spielen.

Elke Dubbels: Figuren des Messianischen in Schriften Deutsch-Jüdischer Intellektueller 1900–1933

Elke Dubbels’ study “Figuren des Messianischen in Schriften Deutsch-Jüdischer Intellektueller 1900–1933” explores the variety of conceptualizations of the messianic in the writings of German-Jewish thinkers of the late Wilhelmine Empire and the Weimar Republic. Although this period is the study’s main focus, it reaches even further, tracing the manifestations, fate, and function of Jewish messianic thought in philosophy from Franz Rosenzweig to Giorgio Agamben.

Walter Erhart: Wolfgang Koeppen. Das Scheitern moderner Literatur

Der katalanische Schriftsteller Enrique Vila-Matas führt in dem 2000 (dt. 2001) erschienenen Roman „Bartleby y compañía“ seine Leser über ein literarisches Schlachtfeld gescheiterter Schreibprojekte, ungeschriebener Werke und verstummender Autoren von Robert Walser über Salinger bis zu Kafka und Celan. Den großen Meister uneingelöster Versprechen und der Ankündigung eines opus magnum, den deutschen Romancier und Reiseschriftsteller Wolfgang Koeppen, erwähnt er mit keinem Wort.

Markus Lorenz: Subversiver Meistersang. Eine Studie zum Werk Uwe Timms

„Mußte schon n bißchen Zeit haben“ – was die alte Frau Brückner vom wissbegierigen Ich-Erzähler verlangt, der die Geschichte von der Entdeckung der Currywurst erfahren möchte, das könnte auch Markus Lorenz als Anforderung an den Leser stellen, der wissen will, was es mit dem „Meistersang“ Uwe Timms auf sich hat. Viel Lesezeit, viel Aufmerksamkeit für die oft weit ausgreifenden, verschlungenen Gedankengänge verlangt dieses Buch, Geduld, Mitdenken – aber wer das Werk Uwe Timms kennt und schätzt, wer es besser kennen lernen will, wird von diesen Mühen profitieren.

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