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Inhalt der Ausgabe 04/2016

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

„Klar wie der Tag!“

Schillers Drama „Maria Stuart“ (1801) bezieht sich nicht nur diskursiv auf das Recht, sondern reflektiert den Evidenzbegriff des juristischen Diskurses. Es exemplifiziert, wie sowohl juristische als auch literarische Verfahren Evidenz generieren und nutzt eine katholische Bilddramaturgie. Letztere zielt darauf ab, die Trennung zwischen einer Ästhetik des Erhabenen und des Schönen aufzuheben. Schillers Trauerspiel zeigt, dass Evidenz hergestellt werden muss, aber es desavouiert Evidenzverfahren nicht. Vielmehr nutzt es das Theater als ein Medium, das Recht nicht allein diskursiv zum Ausdruck bringen kann.

„FORT“, DA

Der Artikel geht von der Beobachtung einer Rahmung von Anfang und Ende der Erzählung „Die Marquise von O....“ aus – die Marquise kehrt zum Schluss als Frau des Grafen an den Wohnort zurück, den sie nach dem Tod ihres Ehemannes zu Beginn verlassen musste. Die Analyse verfolgt die Mechanismen dieser Substitution hinsichtlicher intertextueller Verweise der Erzählung (Ovid), der Darstellung von Ersetzung im Text sowie einer allegorisierend-selbstreferentiellen Bedeutungsebene. Dadurch kann die Geschehensdynamik im Hinblick auf die Spannung von Wunsch und Realisierung, als Inszenierung von unzulänglicher Repräsentation und gewaltsamer Schrift gelesen werden.

Wirklichkeit über pari

Der Artikel illustriert, wie ein kaufmännisches, vor allem in der Buchhaltung geschultes Wissen literarische Darstellungsverfahren in Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“, insbesondere in der Novelle „Kleider machen Leute“ informiert. Konkreter wird auf politökonomische Diskurse und finanztechnische Anleitungen Bezug genommen, insbesondere F. W. Raiffeisens Schriften zur Genossenschaftsbewegung. Da wo der Buchhalter oder der Bankier die Welt – die physische oder die soziale – berufsmäßig mit möglichst großer Stringenz und Detailtreue beschreiben muss, wird er nur Gewinne realisieren, wenn er dabei auch den in der Wirklichkeit vermuteten Mehrwert in seiner Darstellung sichtbar machen, und in seinem Handeln realisieren kann.

Moosbrugger oder die Möglichkeiten der Paranoia

Nach einer Rekonstruktion des Forschungsstandes (I.) soll in dieser Studie die literarische Modellierung des Frauenmörders Moosbrugger aus Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ nach Bleulers (II.), vor allem aber nach Freuds Konzept der Paranoia (III.) untersucht werden. Im Mittelpunkt steht dabei Moosbruggers narzisstische Persönlichkeitsstruktur und die, aus einer freudschen Perspektive gesprochen, damit zusammenhängende Vorstellung, dass „hinter den Weibern der andere Mann“ steckt. In einem letzten Schritt wird untersucht, inwieweit diese Persönlichkeitsstruktur die Voraussetzung für eine, mit Ulrich parallelisierte, mystische Öffnung Moosburggers darstellt (IV.).

Edition und poetologische Reflexion

Der im September 2013 verstorbene Literaturwissenschaftler Axel Gellhaus hatte sich zur Aufgabe gemacht, seine praktische editionsphilologische Tätigkeit – er war u.a. verantwortlicher Mitherausgeber der historisch-kritischen „Bonner Celan-Ausgabe“ und edierte die kommentierte Gesamtausgabe der Lyrik Ernst Meisters – mit seinen poetologischen Arbeiten über den „Ursprung der Dichtung“ zusammenzuführen. In einer Reihe von Aufsätzen und Sammelbänden der Jahre 1994 bis 2010 umriss er die Möglichkeiten einer theoretischen Fundierung einer künftigen eigenständigen Disziplin einer „Textgenetik“. Die Ausführung dieses Konzeptes musste er – nach seinem unerwartet frühen Tod – nachfolgenden Generationen der Editionsphilologie überlassen.

„Er spürte die unvergleichliche Wärme des Erzählens“

Die kultur- und literaturwissenschaftliche Forschung hat ausführlich erörtert, was Intertextualität ist. Der Artikel interessiert sich dafür, was Intertextualität leistet. Er beschäftigt sich daher mit den intertextuellen Bezügen von Lutz Seilers „Kruso“ (2014) zum utopischen und politischen Denken, insbesondere Thomas Morus’, Daniel Defoes, Jean-Jacques Rousseaus, Christoph Martin Wielands und Elias Canettis. Es soll gezeigt werden, dass „Kruso“ deren politische Entwürfe nicht nur zitiert und narrativ gestaltet, sondern sie in seinem ästhetischen Probehandeln fortschreibt (progressive Intertextualität) und somit selbst kritisch erprobt (kritische Intertextualität).

Kriegsversehrte

Die jüngste deutsche Geschichte ist keine ferne Erlebniswelt, sondern auch für die Nachfahren der Kriegsgenerationen eine erlebte Welt, insofern sie an den erlittenen Traumata, Verlusten und Verbrechen ihrer Vorfahren psychisch Anteil haben, auch wenn über diese Vergangenheit in den Familien Schweigen herrschte. Autoren der zweiten und dritten Generation – Nachkriegskinder (die 1950er Jahrgänge mit ihren Soldatenvätern) und die Kinder der Kriegskinder (aus den Jahrgängen ca. 1960 bis 1975) versuchen in zeitgenössischen Familienromanen eine Entschlüsselung des Schweigens, um Familiengeheimnissen auf die Spur zu kommen, ihre emotionale Wurzellosigkeit zu überwinden und die eigene Identität zu finden.

Buchbesprechungen

Davide Giuriato: „klar und deutlich“. Ästhetik des Kunstlosen im 18./19. Jahrhundert

Davide Giuriato widmet sein neuestes Buch zwei Konzepten, die besonders seit der Moderne aus dem Blickfeld der Forschung gerückt sind. Im Gegensatz zur Dunkelheit, die sowohl in der Literaturwissenschaft als auch in der Literatur selbst mehr und mehr als bestimmendes ästhetisches Element hervorgehoben wird, verlieren Klarheit und Deutlichkeit ab Mitte des 18. Jahrhunderts an Konjunktur. Während Ambiguität, Verworrenheit und Unverständlichkeit vermehrt als genuin literarische Qualitäten verhandelt werden, wird das Klare und Deutliche mit den als unästhetisch angesehenen Diskursen der Wissenschaft assoziiert.

Liste eingesandter Bücher

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