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Inhalt der aktuellen Ausgabe 01/2019

Inhalt

Inhaltsverzeichnis/Impressum

Aufsätze

Towards a Comparative History of the Literary Draft

In literary histories, the writing process is seldom taken into account. There is a need for a comparative literary history of writing processes. It is evidently beyond the scope of an article to write such a history, but it is possible to establish an initial framework, consciously starting from a Eurocentric perspective, in order to pinpoint the issues where we can try to de-localize its European bias. To do so, the framework proposed in this article consists of eight dimensions of the literary draft (temporal, spatial, editorial, generic, intermedial, linguistic, conceptual, and material) that help us give shape to a comparative history of our literary heritage.

Talente im Lizenzraum. Brechts Dreigroschenroman und die Verwertung immaterieller Güter

Das Urheberrecht regelt Nutzung und Verwertung immaterieller Güter. Für Bertolt Brecht war deshalb Kunst in kapitalistischen Gesellschaften nicht autonom, sondern abhängig von Urheberrecht und Wirtschaft. ‚Die Dreigroschenoper‘, ihre transmedialen Verwertungen, rechtliche Konflikte und die Berichterstattung der Presse bildeten zwischen 1928 und 1933 einen relationalen Verbund. An diesem Lizenzraum zeigt sich, wie die Kreation von Literatur von Fragen ihrer Produktion, Distribution und Rezeption abhängt. Ausführlich reflektiert Brecht den Verwertungsprozess der Verfilmung, wobei er Marx’ Theorie der Entfremdung des Arbeiters auf den geistigen Arbeiter überträgt.

Churchill’s Shakespeare: the Statesman’s Lifelong Debt to his National Poet

British Prime Minister Winston Churchill is still remembered for his powerful oratory, which was influenced by his lifelong familiarity with Shakespeare. Beginning with his memorization of Shakespeare in school to his later reading and viewing of the plays, Churchill captured Shakespeare’s rhythm and words in many of his own writings and speeches. This essay traces that influence and also touches on the reception of Shakespeare in Germany and Britain during the wars, and on the interaction of other members of Churchill’s family with the poet.

Baudelaires Scharmützel in Le peintre de la vie moderne – Kunstkritik und Gesellschaftskritik

Baudelaires Essay über Constantin Guys wird oft einseitig beurteilt. Man findet, Baudelaire überschätze den Zeichner und Aquarellisten. Natürlich hätten es manche gerne, dass der Dichter-Kritiker sich dazu entschlossen hätte, einen größeren Maler zu behandeln, aber das hat nichts mit dem zu tun, was sich Baudelaire ausdrücklich vornimmt: die Auseinandersetzung mit einem zweitrangigen Künstler. Vor seiner Niederlassung in Paris hatte Guys lange Zeit in London gelebt und war viel herumgereist, meistens im Einsatz für die Illustrated London News. Dieses Wochenblatt hatte in ihm den idealen Künstler gefunden, um den Krimkrieg zu dokumentieren.

Flaubert entre Cervantès et Ortega: les limites du réalisme

Par cette étude, l’idée selon laquelle Flaubert serait l’un des principaux représentants du réalisme du XIXe siècle est remise en question. Une analyse consacrée principalement à l’une de ses œuvres les moins étudiées, Bouvard et Pécuchet, révèle que Flaubert devrait plutôt être considéré comme l’un de ses témoins les plus critiques. C’est le philosophe espagnol José Ortega y Gasset qui se tournera ensuite vers l’auteur français, admiratif de Cervantès, pour développer, dans le premier tiers du XXe siècle, sa critique de la civilisation et d’une conception trop optimiste du progrès.

Kleinere Beiträge

Zwei neue Drucke aus dem Umfeld des Augsburgers Jonas Losch

Das Werk des Jonas Losch (ca. 1560–1587), Handwerker und Dichter aus Augsburg, umfasst eine Reihe von Reimsprüchen, Liedern und eine Exempelliste. Bislang ist nur ein Flugblatt bekannt, das Losch als Quelle für seine Dichtung gedient haben könnte. Nun ist es gelungen, eine anonyme, gedruckte Flugschrift des Jahres 1569 zu identifizieren, die zwei Reimsprüche umfasst, wie sie sich im Werk des Augsburgers erhalten haben. Die Flugschrift wird im Folgenden vor dem Hintergrund der handschriftlichen Überlieferung der Dichtung Loschs kurz vorgestellt.

Orte und Nicht-Orte in Tanja Dückers’ Mein altes West-Berlin

Tanja Dückers’ Mein altes West-Berlin (2016) wird in diesem Aufsatz erstmals im Kontext der von Marc Augé formulierten Theorie von Orten und Nicht-Orten untersucht. Die Analyse fokussiert auf die implizite Präsenz von Orten und Nicht-Orten, die in Dückers’ Text über Berliner Urbanität den Status von Palimpsesten haben. Dückers orientiert sich zwar an Augé, aber in Mein altes West-Berlin präsentiert sie ein modifiziertes Konzept von Nicht-Orten.

Jack London und seine deutschen Übersetzungen

The contribution traces the fortunes of Erwin Magnus, who established himself as the most prolific translator of Jack London into German in the first half of the twentieth century. After having gained considerable wealth through his work, Magnus was forced to emigrate from Nazi Germany and died in poverty in a Copenhagen hospital in 1947. The article pays special attention to the women who preceded and accompanied Magnus as translators of London, while also detailing his family’s quarrels with German publishers over the profits made from his translations.

Muneeza Shamsie’s Hybrid Tapestries: The Development of Pakistani Literature in English

This critical review places Hybrid Tapestries within a context of other anthologies of Pakistani Anglophone literature, then examines the work itself as it presents the development of Pakistani Anglophone literature from its beginnings to the contemporary period, including various genres: novel, short story, poetry, drama and literary non-fiction.

„I will recover my Voice as soon as I am able“ – Alteritätskonstruktionen und diskursive Grenzüberschreitungen in karibischen Slave narratives des frühen 18. Jahrhunderts

As a configuration of literary self-expression and/or historical source material so-called Slave narratives have largely been analysed as autobiographical works composed by more or less authoritative subjects. This limited approach excludes a whole body of texts that, due to their somewhat precarious epistemological status, do not fit in this often invoked outline. In contrast, it is argued here that the investigation of overtly fabricated or at least highly mediated first-person accounts, too, can produce valuable insights relating to contemporary perceptions of both the transatlantic slave trade and the cultural conditioning of slaves.

Besprechungen / Allgemeines

Laura Marcus: Autobiography: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press, 2018.

Die Reihe der Very Short Introductions der Oxford University Press trägt in ihrem gesteigerten Titel einen selbstbewusst-ironischen Zug – nicht einfach kurz, sehr kurz soll hier in das umfangreiche Thema Autobiographie eingeführt werden. Dieser Anspruch wird von der Autorin des vorliegenden Exemplars der Reihe beim Wort genommen – man könnte sagen, dass sie auf eine Einführung im herkömmlichen Sinn nahezu vollständig verzichtet.

Diemo Landgraf: Ethik und Ästhetik in der dekadenten Literatur vor und nach Nietzsche. Freiburg / Berlin / Wien: Rombach 2018 (Rombach Wissenschaften. Reihe Litterae, 233).
David Weir: Decadence. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press 2018.

Die Epoche beziehungsweise Stilrichtung der Dekadenz, die Literatur der Jahrhundertwende, des Fin de Siècle, bietet sich aufgrund der gesamteuropäischen Virulenz der damit verbundenen Tropen, die wiederum Ausdruck eines zeittypischen Krisenbewusstseins sind, seit jeher für komparatistische Studien an. Es ist jedoch auffallend, dass die genuin komparatistische Forschung hier – im Vergleich etwa mit der Renaissance oder der klassischen Moderne – eine überschaubare Anzahl von übergreifenden Studien vorgelegt hat.

Barbara Kuhn (Hg.): Selbst-Bild und Selbstbilder. Autoporträt und Zeit in Literatur, Kunst und Philosophie. München: Fink 2016.

Der anzuzeigende Band ist anspruchsvoll in seiner Themenstellung. Er macht es aber dem Leser nicht immer leicht, die Thematik in ihrer ganzen Komplexität zu verfolgen. Das wird schon am Buchtitel ersichtlich, der anzeigt, wie in Literatur, (bildender) Kunst und Philosophie – von der ist allerdings kaum die Rede – zum einen die Gattungsfrage des Autoporträts in Relation zu den sehr unterschiedlich gelagerten Einzelfällen von Selbst-Bildern und zu der Großgattung Autobiographie, zum anderen aber die im Autoporträt scheinbar verdeckt bleibende zeitliche Dimension der Selbst-Konstitution verfolgt werden soll.

Peter W. Marx: Hamlets Reise nach Deutschland. Eine Kulturgeschichte. Berlin: Alexander Verlag Berlin, 2018.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte August Wilhelm Schlegel geschrieben, Shakespeare sei neben den Engländern keinem Volk so nahe wie den Deutschen und da man ihn in unseren Landen so eifrig rezipiere und studiere, könne man ihn ohne Zweifel „ganz unser“ nennen. Kurz zuvor hatte Ferdinand von Freiligrath angesichts politischer Unwägbarkeiten seiner Zeit in einem Gedicht festgestellt, „Deutschland ist Hamlet“ und damit die tiefe Verbindung und das anhaltende Interesse der „Deutschen“ zu Shakespeares Tragödie über den dänischen Prinzen unterstrichen.

Mara Fazio / Pierre Frantz / Vincenzo de Santis (éds.): Les Arts du spectacle et la référence antique dans le théâtre européen (1760–1830). Paris: Classiques Garnier 2018 (Rencontres, 328).

Der vorliegende Band bietet 25 Studien zur Antike-Rezeption im (vor allem französischen) Schauspiel und Musiktheater der «Sattelzeit» zwischen früher Neuzeit und Moderne. Die Einleitung der Herausgeber macht auf durch die Aufklärung ausgelöste ideologische und historische Wandlungen im Verhältnis zur Antike aufmerksam: Voltaire propagierte eine «tragédie vraiment politique», dagegen schlug die Komödie zunehmend einen «ton sérieux et moralisant» an.

Krankheit, Sterben und Tod im Leben und Schreiben europäischer Schriftsteller. Ed. Roland Berbig, Richard Faber und Christof Müller-Busch. Bd. 1: Das 18. und 19. Jahrhundert. Bd. 2: Das 20. und 21. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017.

Krankheit, Sterben und Tod – auf diesem gefährlichen Terrain befinden wir uns, im Leben wie im Schreiben, immer im Bereich von Grenzverletzungen und Indiskretionen. Sie drohen durch die mit allen drei Begriffen verbundene Schwellenkonstellation, die zu janusköpfiger Vorsicht und zugleich Rücksicht mahnt. Als Uwe Johnson etwa ein Jahr vor seinem Tod im Rahmen der NDR-Reihe „Das liebste Gedicht“ um Lesung und Interpretation seines Favoriten gebeten wurde, lehnte er einen entsprechenden Kommentar ab. In einem tröstenden Brief an die Freundin Sonja Richter, deren Mann gerade gestorben war, offenbarte er jedoch kurz darauf seine Liebe zu Theodor Fontanes Todesgedicht „Leben“ und die Beweggründe für die Wahl, verbunden mit dem unzweideutigen Hinweis an die Adressatin: „for your eyes only“.

Werner Helmich: Ästhetik der Mehrsprachigkeit. Zum Sprachwechsel in der neueren romanischen und deutschen Literatur. Heidelberg: Winter 2016 (Studia romanica, 196).
Till Dembeck / Anne Uhrmacher (Hg.): Das literarische Leben der Mehrsprachigkeit. Methodische Erkundungen. Heidelberg: Winter 2016 (Beiträge zur neueren Literaturgeschichte, 350).

After Babel heißt lapidar ein berühmtes Buch von George Steiner über die Sprache und das Übersetzen. Der Titel hält das Paradoxe der menschlichen Kommunikation fest: Die Sprache ist unser Verständigungsmittel, die Existenz mehrerer Sprachen erschwert jedoch diese Verständigung. Was der Mythos als Strafe Gottes deutet, weist aber auch positive Folgen auf: Der Verlust der unmittelbaren Verständigung wird durch den Reichtum der vielen sich durch die verschiedenen Sprachen öffnenden Perspektiven kompensiert.

Gesine Müller (Hg.): Verlag Macht Weltliteratur. Lateinamerikanisch-deutsche Kulturtransfers zwischen internationalem Kulturbetrieb und Übersetzungspolitik. Berlin: edition tranvía / Verlag Walter Frey 2014 (Pointe, 8).

In den letzten Jahren sind zahlreiche Sammelbände und Monographien zur Debatte um eine neue Relevanz der world literature entstanden, und gerade auch die lateinamerikanische Literatur ist zunehmend unter dem Gesichtspunkt globaler Netzwerke und weltliterarischer Gesichtspunkte diskutiert worden. Der vorliegende Sammelband widmet sich dabei den konkreten Beziehungen zwischen Lateinamerika und Deutschland und berücksichtigt neben im engeren Sinne literaturwissenschaftlichen Zugängen auch Essays zur Verlags- und Übersetzungspolitik in diesem Kontext.

Natalia Igl / Julia Menzel (Hg.): Illustrierte Zeitschriften um 1900. Mediale Eigenlogik, Multimodalität und Metaisierung. Bielefeld: transcript 2016.

Aus dezidiert interdisziplinärer Perspektive mit einem Schwerpunkt auf Literaturwissenschaft und Mediensemiotik betrachten die Beiträgerinnen und Beiträger dieses Sammelbandes das Forschungsobjekt «Illustrierte Zeitschriften um 1900». Der Gegenstand legt nicht nur einen Text-Bild-Bezug nahe, sondern erfordert in seiner Komplexität zwischen «mediale[r] und (multi-/inter-)semiotische[r] ‹Eigenlogik›» auf der einen Seite und Rezeption auf der anderen Seite recht umfangreiche theoretische Vorüberlegungen.

Hanns Christian Löhr: Kunst als Waffe – Der Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg Ideologie und Kunstraub im »Dritten Reich«. Berlin: Gebr. Mann, 2018.

Alfred Rosenberg, seit 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters, Verfasser von Der Mythus des 20. Jahrhunderts und seinem Anspruch nach NS-Chefideologe, 1933 Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP, 1934 „Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“, seit dem 17.11.1941 Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, am 16. Oktober 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher hingerichtet, hat bereits 1969 (2006) in Reinhard Bollmus und 2005 in Ernst Piper seine Chronisten gefunden.

Besprechungen / Germanisch und Deutsch

Johannes Geiler von Kaysersberg: Die Augsburger Predigten. Hrsg. von Kristina Freienhagen-Baumgardt und Werner Williams-Krapp. Unter Mitarbeit von Katrin Stegherr. Berlin u. a.: De Gruyter 2015. (Deutsche Texte des Mittelalters 92).

Der Straßburger Domprediger Johannes Geiler von Kaysersberg (1445–1510), der sich seinen Platz in der deutschen Literaturgeschichte früh durch seine vermeintliche Volkstümlichkeit hat sichern können, war ein bedeutender Intellektueller seiner Epoche. Die unter seinem Namen gehenden deutschen und lateinischen Predigten geraten zunehmend nicht mehr als Zeugnisse der Geistesgeschichte, sondern als ausgefeilte rhetorische Schmuckstücke in den Fokus der Literaturwissenschaft.

Nürnberg. Zur Diversifikation städtischen Lebens in Texten und Bildern des 15. und 16. Jahrhunderts. Hrsg. von Heike Sahm und Monika Schausten. Zeitschrift für deutsche Philologie 134 (2015)/ Sonderheft.

Im vorliegenden Band sind 13 Beiträge zu ganz unterschiedlichen Aspekten der Nürnberger Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts gesammelt, ursprünglich (was aber nicht ausdrücklich gesagt wird) wohl Tagungsbeiträge. In der ein wenig hochgestochen wirkenden Einleitung gehen die Herausgeberinnen von dem bekannten Sachverhalt aus, dass in der Reichsstadt „unter der strikten Kontrolle des Rates“ eine Literatur entstand, „deren Vielfalt und schiere Masse von keinem anderen literarischen Zentrum im deutschsprachigen Raum des Mittelalters erreicht“ wurde: „Literatur als Medium [ermöglichte] offensichtlich die Verhandlung der zentralen Frage […], wie man das eigene Gemeinwesen: seine materiellen und ideologischen Fundamente, seine Traditionen und Vorbilder und seine Zielvorstellungen, verstehen will“.

W. Daniel Wilson: Der faustische Pakt. Goethe und die Goethe-Gesellschaft im Dritten Reich. München: DTV, 2018.

Die Stadt Weimar wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Gründungs- bzw. Tagungsort dreier, bedeutenden europäischen Dichtern gewidmeter Gesellschaften: der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (DShG, gegr. 1864), der Deutschen Dante-Gesellschaft (DDG, gegr. 1865) und der Goethe-Gesellschaft (GG, gegr. 1885). In Weimar residierten lange Zeit die jeweiligen Vorstände, dort fanden die Jahrestagungen und Mitgliederversammlungen statt, dort wurden die den jeweiligen Dichtern gewidmeten Jahrbücher redigiert und z. T. verlegt.

Michael Wortmann: Der Freie Mann Friedrich August Eschen (1776–1800). Aus der Zeit ,großer Klassiker‘. Biografie – Briefe – Werke – Kontexte – Pädagogik – Rezeption. Borchen: Ch. Möllmann 2017 (Kalokagathia – Schriftenreihe zu den Geistes- und Schönen Wissenschaften. Bd. 1).

Weil selbst exzellenten Kennern des 18. Jahrhunderts der Name Friedrich August Eschen, geboren am 7. Februar 1776 in Eutin, vielfach nicht geläufig ist und der ,Bund der Freien Männer‘ am ehesten aus Wilhelm Flitners vor über einhundert Jahren erschienener Dissertation: ,August Ludwig Hülsen und der Bund der Freien Männer‘ (Jena 1913) bekannt ist, sorgt diese im Druck vorliegende Kieler Dissertation für Aufklärung enzyklopädischen Charakters. In Anlehnung an Jacques Le Goffs Erwartungen an eine Biographie bekundet Michael Wortmann darin, dass er als Erforscher historischer Strukturen, übersättigt vom Abstrakten, Lust auf Konkretes hat und ein Ergebnis anstrebt, in dem sich Eschen, sein Werk und seine Epoche „auf wunderbare Weise“ erhellen.

Kirsten Krick-Aigner u. Marc-Oliver Schuster (Hrsg.): Jazz in Word. European (Non-) Fiction. Würzburg: Königshausen & Neumann 2018.

Kirsten Krick-Aigner (Wofford College, Spartanburg) und Marc-Oliver Schuster (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) haben sich in den letzten Jahren beeindruckend produktiv um die Erforschung des Zusammenspiels von deutschsprachiger Literatur und Jazz verdient gemacht. 2013 erschien der von ihnen herausgegebene Sammelband ,Jazz in German-language Literature‘, dessen Beiträge zu einem stimmigen Gesamtbild führen, welch wichtige Rolle Jazz für die und in den Literaturen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz seit den 1920er Jahren spielt.

Besprechungen / Englisch und Amerikanisch

Thomas Dixon: Weeping Britannia. Portrait of a Nation in Tear. First edition: 2015. Oxford: Oxford University Press, 2017.

Thomas Dixon’s monograph Weeping Britannia, the main aim of which is to “explode some myths about British national character” surrounding the “stiff upper lip”, has now been made available in a cheaper paperback format. Upon its initial release in 2015, the book was widely acclaimed by critics, not only making The Guardian’s best history books of 2015 list but also earning nominations for “best book of the year” in both The Spectator and The Times Literary Supplement.

The Enlightenment in Scotland: National and International Perspectives. Ed. Jean-François Dunyach, Ann Thomson (Oxford University Studies in the Enlighten ment). Oxford: Voltaire Foundation – University of Oxford, 2015.

Conventionally understood, the “Scottish Enlightenment” refers to a group of interconnected Scottish writers of the mid to late eighteenth century, with the “leading lights” David Hume (A Treatise of Human Nature, 1739/1740; The History of England, 1754–1762) and Adam Smith (The Theory of Moral Sentiments, 1759; The Wealth of Nations, 1776), surrounded by a number of “lesser luminaries” such as Francis Hutcheson, Thomas Reid or Lord Kames.

Raphaël Ingelbien: Irish Cultures of Travel. Writing on the Continent, 1829–1914 (New Directions in Irish and Irish American Literature). London: Palgrave Macmillan, 2016.

As recently as 1980, Bernard Farrell, in his play Canaries (Dublin, Abbey Theatre) satirized his Irish compatriots for beginning to copy the English in their craze to travel abroad in search of leisure and amusement, the underlying idea being that this is something the Irish do not, or should not, do. Raphaël Ingelbien, in his excellent introduction to the book under review here, lists a number of reasons for this Irish autostereotype, the chief one being that foreign travel is primarily an activity of the middle classes, a social group which the Irish since de Valerian times have preferred to omit from their selfimage.

William Shakespeare: King John. Ed. Jesse M. Lander and J.J.M. Tobin (The Arden Shakespeare). London: Bloomsbury Arden Shakespeare, 2018.

Mit King John, Shakespeares “most postmodern history play” (V. Mason Vaughan), kommt die 1990 begonnene dritte Serie des renommierten Arden Shakespeare (Arden 3) beinahe zu ihrem Abschluss. Die Herausgeber Jesse M. Lander, Associate Professor der Universität Notre Dame, Indiana, und J.J.M. Tobin, Professor an der University of Massachusetts in Boston, stehen – wie alle modernen Editoren – auf den Schultern ihrer Vorgänger, denn außer den beiden früheren Arden Editionen von E.A.J. Honigmann (1954, Arden 2) und Ivor B. John (1907, Arden 1) existieren mindestens vier weitere maßgebliche Ausgaben des Dramas aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Rebecca Lemon: King Richard III. Language & Writing (Arden Student Skills: Language and Writing). London: Bloomsbury Arden Shakespeare, 2018.

Lemons Buch setzt sich zum Ziel, die Leser von der Analyse der Sprache Shakespeares bis zum eigenen Schreiben über ihn zu führen. Die Darstellung beginnt mit Richards Stellung im Tudor-Myth, mit Richard als personifiziertem Bösen gegenüber Richmond, dem von Gott Gesandten, wobei sie in Richard eine Vice-Figur und zugleich einen Bösewicht Machiavell’scher Prägung erblickt, wie sie am Eingangsmonolog darstellt und wiederholt einbringt.

William Shakespeare: Much Ado About Nothing. A Critical Reader. Ed. Deborah Cartmell & Peter J. Smith (Arden Early Modern Drama Guides). London: Bloomsbury Arden Shakespeare, 2018.

In letzter Zeit haben Bücher Konjunktur, die über die Diskussion eines Dramas oder einer Problemstellung hinaus didaktische Handreichung sein wollen, um Lehrenden wie Lernenden die mühevolle Arbeit zu ersparen, sich selbst in die Materie einzuarbeiten. Angesichts der Fülle an Publikationen, die jedes Jahr zu Shakespeare erscheinen, sind sie für manchen sicher willkommene Hilfsmittel, mit denen sich die Schwerpunkte der Forschung vergangener Jahrzehnte oder Jahrhunderte überblicken lassen, neueste Forschungstendenzen vorgestellt und Hilfsmittel aufgelistet werden.

William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream. Ed. Grace Ioppolo (Norton Critical Editions). New York: W.W. Norton & Company, 2018.

Shakespeares A Midsummer Night’s Dream hat über die letzten Jahre zahlreiche Einzeleditionen erfahren, so beispielsweise durch Barbara Mowat und Paul Werstine in der Folger Shakespeare Library Series (1993/2016), Stanley Wells bei Penguin Classics (1994) Peter Holland für The Oxford Shakespeare (1998/2008), R.A. Foakes für The New Cambridge Shakespeare (2003), Stanley Wells und Helen Hacketts bei The Penguin Shakespeare (2005), und zuletzt Sukanta Chaudhuri in der Reihe des Arden Shakespeare (2017). Ein Jahr danach folgt Grace Ioppolos Herausgabe in der Norton Critical Edition.

William Shakespeare: Hamlet. Ed. Abigail Rokison-Woodall (Arden Performance Editions). Bloomsbury: Bloomsbury Publishing, 2017.
William Shakespeare: A Midsummer Night’s Dream. Ed. Abigail Rokison-Woodall (Arden Performance Editions). Bloomsbury: Bloomsbury Publishing, 2017.
William Shakespeare: Romeo and Juliet. Ed. Paul Menzer (Arden Performance Editions). Bloomsbury: Bloomsbury Publishing, 2017.

Mit der 2017 bei Bloomsbury unter dem Label „Arden Performance Editions“ neu ins Leben gerufenen Reihe von Shakespeare-Ausgaben wenden sich Abigail Rokison-Woodall und Paul Menzer an eine klar umrissene Zielgruppe: Die auf der textkritischen Expertise der Editionen der „Arden Third Series“ basierenden Werkausgaben wurden, so expliziert es das Vorwort, vor allem im Hinblick auf die praktische Umsetzung der Dramen auf der Bühne – sei es auf Laienbühnen, in schulischen oder universitären Zusammenhängen oder für den professionellen Theaterbetrieb – hin konzipiert.

András Kiséry: Hamlet’s Moment. Drama and Political Knowledge in Early Modern England. Oxford: Oxford University Press, 2016.

Hamlet’s Moment traces links between the early modern professionalization of politics and the theatre stage, showing how drama increasingly modelled the uses of political knowledge as cultural capital. Examining Hamlet alongside plays by Jonson, Chapman, and Marston, Kiséry argues that drama reflected and inflected the rise of diplomacy as a field of specialized knowledge: “If Shakespeare’s two tetralogies sought to understand […] what it took to be king, these plays thought about what it […] took to be employed.” The book follows in the wake of powerful historicizing readings such as de Grazia’s ‘Hamlet without Hamlet’ (2007), which focused on political questions of succession and dispossession, contributing to the revision of post-Romantic fixations on Hamlet’s ‘inwardness’.

Katherine West Scheil: Imagining Shakespeare’s Wife. The Afterlife of Anne Hathaway. Cambridge: Cambridge University Press, 2018.

It is often remarked that we know a great deal about William Shakespeare’s career, his work, his financial investments and legal entanglements, but very little about what really interests us most: his private life, his emotions, his personality. If this is true for William Shakespeare, it applies even more to the woman who would have been entirely forgotten had she not been Shakespeare’s wife: Anne Hathaway. There are some tantalising but inconclusive hints about her life with Shakespeare: the likelihood of premarital pregnancy, the eight-year age difference, and the bequest of the second-best bed in her husband’s will.

Günter H. Lenz: A Critical History of the New American Studies, 1970–1990. Ed. Reinhard Isensee, Klaus J. Milich, Donald E. Pease, and John Carlos Rowe. Hanover, NH: Dartmouth College Press, 2017.

Günter H. Lenz (1940–2012) belonged to the generation of German scholars who passionately pursued the aim of incorporating North American Studies as a critical discipline at German universities. Lenz’s commitment to critically engaged American Studies was driven by an untiring interest in the multiplicity of voices and perspectives in and about the Americas and by his conviction that American Studies from without the United States offer important insights for analyses of American culture(s) as well as that American Studies theories, methods, and methodologies can provide invaluable new impacts to cultural and literary studies in Germany. Transnational perspectives and cross-cultural dialogue were Lenz’s primary objectives.

Ingrid Gessner: Yellow Fever Years: An Epidemiology of Nineteenth-Century American Literature and Culture. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2016.

Toward the end of the eighteenth century, several outbreaks of yellow fever haunted the early American republic. Before the general acceptance of the germ theory of disease toward the end of the nineteenth century and Walter Reid’s discovery of Aedes aegypti as vector of transmission in 1900, the etiology of yellow fever, a viral disease, was subject to speculation. Several medical-historical studies trace the impact of the disease in the US.

Besprechungen / Romanisch

Philippe Blay / Jean Christophe Branger / Luc Fraisse: Marcel Proust et Reynaldo Hahn. Une création à quatre mains. Paris: Classiques Garnier 2018 (Bibliothèque proustienne, 21).

Der Komponist Reynaldo Hahn war fast dreißig Jahre lang Prousts bester Freund: Nachdem die beiden jungen Männer für kurze Zeit (1894–1896) ein Liebespaar gewesen waren, wurde Hahn zu Prousts wichtigstem Vertrauten und Ratgeber nicht nur in musikalischen Fragen. In ihrem «Avant-propos» läßt Hahns Nachlaßverwalterin Eva de Vengohechea ihrem berechtigten Unmut darüber freien Lauf, daß die gemeinsamen künstlerischen Interessen der beiden Freunde in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber der «histoire sentimentale» in den Hintergrund treten.

Dolores Corbella / Alejandro Fajardo (eds.): Español y portugués en contacto. Préstamos léxicos e interferencias. Berlin / Boston: de Gruyter 2017 (Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie, 419).

Der seit Urzeiten bestehende spanisch-portugiesische Sprachkontakt manifestiert sich in einer Vielzahl von Hispanismen im Portugiesischen und einer geringeren Anzahl von Lusismen im Spanischen. In diesem Buch geht es vor allem um portugiesische lexikalische Einflüsse im Spanischen. In 16 von 18 Beiträgen ist dieses das Thema, nur ein Beitrag am Schluß des Bandes behandelt spanische Einflüsse im Portugiesischen von Rio Grande do Sul (Südbrasilien).

Susanna Gaidolfi: Die Italianisierung des Sardischen. Stuttgart: Steiner 2017 (Spazi comunicativi – kommunikative Räume, 14).

Mit der Monographie Die Italianisierung des Sardischen legt Susanna Gaidolfi die stellenweise überarbeitete Fassung ihrer 2014 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt angenommenen, gleichnamigen Dissertationsschrift vor und publiziert auf diese Weise aktuelle Untersuchungsergebnisse, wie (stark) das Italienische in ausgewählten Bereichen in die gesprochene sardische Sprache in Irgoli und Nuoro eingedrungen ist.

Katharina List: Pensiero, azione, parola. Ethik und Ästhetik bei Carlo Emilio Gadda. Frankfurt a.M.: Klostermann 2017 (Analecta Romanica, 88).

Seit dem Erscheinen der umfangreichen, auf stupender Gelehrtheit und Textkenntnis aufbauenden, breitgefächerten Habilitationsschrift von Martha Kleinhans, die unser Wissen über die Systematik und Hintergründe der sprachbildlichen Imagination im Werk von Carlo Emilio Gadda, dem bedeutendsten Prosaisten des italienischen Novecento, um viele Facetten bereichert hat, ist es in der deutschsprachigen Gaddaforschung für längere Zeit wieder ruhig geworden – ganz im Gegensatz zu Italien, wo in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren geradezu ein Boom der vielseitigsten Erkenntnisbemühungen um das Werk des «Ingegnere» hereinbrach, der eine ganze Flut von Gaddastudien, darunter mehrere Werkmonographien auslöste.

Antje Lobin / Holger Wochele (Hg.): Das Französische im wirtschaftlichen Kontext. Wilhelmsfeld: gottfried egert verlag 2016 (pro lingua, 50).

Der vorliegende Sammelband beleuchtet aus unterschiedlichen linguistischen Perspektiven die Relevanz der französischen Sprache in der nationalen und internationalen Wirtschaftskommunikation. Er besteht aus elf wissenschaftlichen Beiträgen, die aus Vorträgen und Postern in der gleichnamigen Sektion auf dem 9. Kongress des Frankoromanistenverbands, der vom 24. bis 27.09.2014 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster stattgefunden hat, hervorgegangen sind.

John London (ed.): One hundred years of futurism. Aesthetics, politics and performance. Bristol / Chicago: Intellect 2017.

Il Futurismo non è stato solo un momento di rivolta contro la cosiddetta arte passatista, ma ha anche contribuito profondamente all’evoluzione del costume e della cultura italiana nei primi decenni del ’900. Forte di questa duplice consapevolezza il volume intende celebrarne il centenario, sebbene con qualche anno di ritardo, sia con interventi che prendono in analisi aspetti artistico-letterari e culturali, sia con riflessioni sull’ere dità e le possibilità attuali del movimento fondato da Filippo Tommaso Marinetti nel 1909.

Tinka Reichmann / Thomas Sträter (Hg.): Übersetzen tut not – Traduzir é preciso. Beiträge zur Übersetzungstheorie und -praxis in der deutsch- und portugiesischsprachigen Welt. Contribuições para a teoria e prática da tradução nos mundos lusófono e germanófono. Berlin: edition tranvía / Verlag Walter Frey 2013.

Der vorliegende Sammelband präsentiert die Ergebnisse der Sektion «Utopie der Übersetzung – Übersetzung der Utopie» des 9. Deutschen Lusitanistentags in Wien 2011. Er setzt sich aus insgesamt 13 Beiträgen zusammen, in denen Fragestellungen der Theorie und Praxis der Übersetzung aus dem Blickwinkel der Translationswissenschaft, der Lusitanistik und der Germanistik im portugiesischsprachigen Ausland erörtert werden.

Bernd F.W. Springer (ed.): La comunicación hispano-alemana. Por qué no nos entendemos y cómo conseguirlo. Kassel: Reichenberger 2015.

Señaló el antiguo embajador español en Alemania, Jose Pedro Sebastián de Erice, en 2002 que «existe una percepción generalizada de que españoles y alemanes: nos caemos bien y nos entendemos», y quizá es esa la razón por la cual las relaciones interculturales hispano-alemanas se han estudiado relativamente poco desde el punto de vista comunicativo. Si abundan estudios de enfoque filológico sobre las relaciones literarias, se echan de menos acercamientos a la praxis intercultural.
 

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