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Inhalt der Ausgabe 04/2015

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Geisterwissenschaften. Der gelehrte Diskurs über Erscheinungen und Gespenster um 1800

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzt, parallel zur Popularisierung der Schauer- und Geheimbundliteratur, auch eine wissenschaftliche Debatte über die Existenz von Gespenstern und die Möglichkeit von Geistererscheinungen ein. Der Beitrag geht der Frage nach, woher diese merkwürdige Faszination der Gelehrten für das Okkulte rührt und zeigt, inwiefern über das Sujet der Gespenster u.a. zentrale Probleme der Psychologie und Erkenntnistheorie, aber auch die Bedingungen und Funktionsweisen des zeitgenössischen Mediensystems verhandelt werden.

Kröten, Krokodile, Faultiere, Ratten und andere widerliche Mischungen

Das Interesse des Aufsatzes gilt einigen jener Beispiele, um die herum das Hässliche als ästhetischer Grundbegriff in den systematischen Ästhetiken von Rosenkranz sowie von Herder, Hegel und Vischer entworfen wird. Ausgehend von einer Beispielreihe bei Rosenkranz wird die Problematik des Beispielgebens im Rahmen systematischer Ästhetiken beschrieben und anhand der Analyse einiger rekurrenter Beispiele und ihrer Diffusion im Wissen der Ästhetik insbesondere die Beobachtung verfolgt, dass Tiere als zentrale Beispiele gegeben werden, wenn es um die Möglichkeit der Ästhetik als Wissenschaft geht. Dabei wird deutlich, dass das Problem des begriffslosen Naturschönen stets mit im Spiel ist, wenn es um das Hässliche geht.

‚Mein Gott, hilf meiner kranken Seele bald!‘

Der Beitrag „Trieb als Angstmaschine“ unternimmt den Versuch, die frühen Texte Alfred Döblins im Kreuzungspunkt verschiedener humanwissenschaftlicher und kulturkritischer Diskurskonstellationen um 1900 zu verorten und dabei zugleich eine historische Perspektive auf die Semantisierungen des Trieb- und Körpergeschehens im 19. Jahrhundert zu eröffnen. Als wichtige zeitgenössische Referenzen für Döblins Texte werden neben dem Psychiatrie-Diskurs der Jahrhundertwende insbesondere Søren Kierkegaard und Sigmund Freud profiliert, die in unterschiedlichen Zuspitzungen über den Zusammenhang von Begehren, Affektkontrolle und Angst nachgedacht haben. Der Text verfolgt ein doppeltes Interesse: Einerseits wird die Körper- und Triebpolitik als Angstgeschehen dargestellt, zugleich wird nachgezeichnet, wie Döblin in der literarischen Evokation von Selbstverlust, Wahnsinn und Panik Verfahrensweisen eines postsouveränen Erzählens etabliert, die der triebspezifischen Depotenzialisierung des selbstbewussten und affektkontrollierten Subjekts auf der Ebene einer Poetologie des Triebs entsprechen.

Das Ausdruckslose als Paradigma der Unvollständigkeit

Diese Studie untersucht Benjamins frühe Denkfigur des Ausdruckslosen und hebt hervor, dass das Ausdruckslose nicht als eine rein ästhetische Kategorie, sondern als radikale Kritik an der Metaphysik fungiert. Während der schöne Schein mit Vollkommenheit, Harmonie und Totalität einhergeht, macht das Ausdruckslose das Unvollkommene und das Bruchstückhafte sichtbar. Im Gegensatz zum Schönen, das von der Annahme der Totalität ausgeht, evoziert das Ausdruckslose eine Theorie der Unvollständigkeit, welche die Einheit als Überschuss auffasst.

Brechts Lektüre der Logik Hegels

Der Umfang der Hegellektüre Brechts ist beachtlich: Philosophie der Kunst, der Geschichte, des Rechts, dann auch die Wissenschaft der Logik, in Ausschnitten zwar, doch immer gezielt. Die Hervorhebungen und Randglossen sind in Brechts Nachlass-Bibliothek gut dokumentiert, bisher aber kaum ausgewertet. Hier wird Brechts Lektüre der Logik Hegels vorgestellt, dem Umfang nach präsentiert und unter Einbezug von Hinweisen aus Brechts literarischem Werk und seinen theoretischen Grundlagen erläutert. Speziell Hegels Fassung des Widerspruchs fand Brechts Interesse. Die poetische Ikonografie des Philosophen Hegel ist dabei für Brecht so wichtig wie im Jahrhundert davor für Heine. Brecht schreibt so auf seine Art eine vielzitierte Tradition in die Moderne fort.

Postmoderner Anarchismus

Der Aufsatz unternimmt eine politische und ideengeschichtliche Verortung der Gestalt des Anarchen aus dem Spätwerk Ernst Jüngers. In Abgrenzung zur traditionellen anarchistischen Praxis entwirft der Autor in seinem Roman „Eumeswil“ einen Typus, der sich ideologisch in der Nähe des Postanarchismus ansiedeln lässt, aber auch Affinitäten zu rechten libertären Bewegungen und liberalen Positionen aufweist. Weitere Schnittmengen ergeben sich u.a. zur Genieästhetik und der epikureischen Lehre der Affektbeherrschung. Ein Vergleich mit Max Stirners „Der Einzige und sein Eigentum“ ergibt, dass die im Text behauptete Engführung zwischen Eigner und Anarch zu relativieren ist. Ein kritischer Blick auf Jüngers Konstrukt fördert einen problematischen Souveränitätsbegriff sowie eine inkonsistente Haltung gegenüber dem Autoritätsprinzip zutage.

Buchbesprechungen

Rethinking Emotion: Interiority and Exteriority in Premodern, Modern, and Contemporary Thought

In this recent volume from De Gruyter’s series on Interdisciplinary German Cultural Studies, Rüdiger Campe and Julia Weber have collected a set of compelling and provocative essays that range across literary, media, and film studies, art history, philosophy, and cognitive science and that contribute to the renewed interest in emotions, feelings, and passions in these and other disciplines. As the editors indicate in their introduction, the volume engages critically with a number of approaches to emotion that are currently prevalent, especially the history of emotions and what has been branded Affect Theory, with the aim of marking their limits by situating them in a historical arc that stretches from Aristotle to contemporary empirical research on perception and affect.

Cornelia Zumbusch, Die Immunität der Klassik

Obwohl der normative Stellenwert der Klassik aus historischen wie auch methodologischen Gründen aufgegeben scheint und der Epochenbegriff als Gegenstand literaturwissenschaftlicher Arbeiten unter Druck steht, bleibt ihre Position als literaturwissenschaftliches Arbeitsfeld – häufig unter neuem Namen, etwa dem der Goethezeit – zentral. Sie verdankt sich nicht nur der realen Dominanz klassischer Texte in der deutschen Literaturgeschichte. Quantität und Qualität der Forschungstradition machen gute Beiträge zur Klassikforschung auch zum Ausweis akademischer Exzellenz.
 

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