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Inhalt der Ausgabe 02/2014

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Narration im Zeichen von Kontingenz(macht). „Teuerdank“ und „Fortunatus“

Der Beitrag unternimmt es, den anonymen „Fortunatus“ und den unter der Ägide Kaiser Maximilians I. entstandenen „Teuerdank“ gegeneinander- und zusammenzulesen. Den Ausgangspunkt bilden Forschungskonsense, wie sie sich gegensätzlicher nicht verhalten könnten: hier der tradierte Sinnstiftungsmuster problematisierende und überschreitende Umbruchstext, dort der den ‚letzten Ritter‘ auratisierende gedechtnus-Text. Dabei stellt sich die „Teuerdank“-Textur, zumal wenn man den Roman von hinten, von der „Clavis“, und dem fiktionalen Double der Autorinstanz, dem Ernhold, her liest, als wenigstens ebenso ‚de-konstruktiv‘ dar wie die des „Fortunatus“, indem Sinnsetzung und Heldenkonstruktion als poetischer Akt vorgezeigt werden, der dem kaiserlichen Machtwort subversiv zuwiderläuft. Die gegensätzlichen Forschungszugriffe werden so kenntlich als Reflex der jeweiligen Autorschaftsverhältnisse: Quasi-Autorlosigkeit anonymen Erscheinens versus starke Quasi-Autorschaft des Kaisers.

Kritik der poetologischen Übereinkunft. Zur Dekonstruktion von Erzählprinzipien in Christoph Martin Wielands „Hexameron von Rosenhain“ und E.T.A. Hoffmanns „Die Serapions-Brüder“

Gegen die verbreitete Auffassung von einer harmonisch-geselligen Grundkonstellation und der Herausbildung unverrückbarer Erzählprinzipien in den Rahmenzyklen von Christoph Martin Wieland und E.T.A. Hoffmann argumentiert der Beitrag, dass es auf der Grundlage konfliktgeladener Zusammenkünfte zu einer ständigen Verschiebung und strukturellen Inkohärenz der Erzählkriterien kommt. Im Sinne einer dekonstruktiven Praxis etablieren beide Autoren in den Rahmen- und Zwischengesprächen des „Hexameron von Rosenhain“ und der „Serapions-Brüder“ eine Kritik der poetologischen Reflexion, bei der Möglichkeit und Unmöglichkeit des Erzählens zusammenfallen und das literarische Vorbild des Rahmenzyklus eine ironisch gebrochene Adaption erfährt.

Erinnerungsarbeit und Geschichtspolitik. Die Modellierung der Befreiungskriege in der Erzählprosa zwischen Restauration und Vormärz (1815–1848)

In dem Maße, wie Restaurationspolitik, Zensur und Biedermeierkultur die liberalen und nationalen Hoffnungen der Kriegsjahre sowie die liberale Reformpolitik der ersten Nachkriegsjahre Geschichte werden lassen, klingt in den frühen 1820er Jahren – nach dem „Wendepunkt“, den die Karlsbader Beschlüsse 1819 und die Wiener Schlussakte 1820 in der politischen Geschichte markieren – auch die Welle der Zeitromane über die antinapoleonischen Kriege ab, zumal der Erfolg des historischen Romans der Walter Scott-Nachfolge zu einem Paradigmenwechsel vom zeitgeschichtlichen zum historischen Erzählen führt, bevor mit dem „zeitgeschichtlichen Sittenroman“ (Wienbarg) des Jungen Deutschland nach 1830 der Zeit- und Gesellschaftsroman erneut in den Vordergrund rückt.

Krieg und Romankrise: Ernst Jüngers Erzählung „Sturm“

Der Aufsatz beschäftigt sich mit Jüngers früher Novelle „Sturm“, die Ereignisse des Ersten Weltkriegs behandelt. Die neue Lektüre stellt den Text in den Zusammenhang der Krise des Erzählens, welche die Romandiskussion des frühen 20. Jahrhunderts bestimmte. Damit verschiebt sie den Schwerpunkt von der Kriegshandlung zur Beziehung zwischen dem Ersten Weltkrieg als Zivilisationsbruch und der Zukunft des fiktionalen Erzählens. Besonderes Gewicht erhalten die drei eingeschobenen Erzählungen, die von der Hauptfigur als Experiment vorgetragen werden. Sie sind Teil des Kunstgesprächs, durch das sich die Figuren der Novelle gegen den Krieg abgrenzen und zugleich die zukünftigen Möglichkeiten der Kunst diskutieren. Die Deutung legt den Nachdruck auf die Paradoxie, dass der Tod des Helden und die Zerstörung seiner Skizzen, indem sie erzählt werden, auf eine Rettung des Erzählens hinauslaufen. Jüngers Erzählung bewältigt also die Krise des Erzählens, indem sie diese zu ihrem Gegenstand macht.

‚Leben‘ im Vormärz. Zu Berthold Auerbachs Poetik einer ‚volkstümlichen‘ Literatur

Im Vorfeld des Realismus hat Berthold Auerbach das literaturtheoretische Programm einer „idealen Verklärung“ der Wirklichkeit in politischer Absicht formuliert. Literatur wird im Gegensatz zur Bürokratie als eine Schriftpraxis gedacht, die eine dem Leben des „Volks“ immanente Idealität erfassen soll, um den Wandel der Lebensformen über das Wirkliche hinausgehend poetisch zu vollenden. Diese Poetik einer „volkstümlichen“ Literatur beruht auf der spinozianischen Substanzontologie und der damit verbundenen Ethik einer Vervollkommnung durch Wesenserkenntnis.

Engführungen. Zum möglichen Ort der Dichtung Paul Celans in Adornos ästhetischer Theorie

Die Beziehung zwischen Paul Celans Lyrik und Theodor W. Adornos ästhetischer Theorie ist untrennbar mit der Frage verbunden, ob und wie nach Auschwitz Literatur noch möglich ist. Davon ausgehend wird hier analysiert, inwiefern die aporetischen Formen der Darstellung bei Adorno ihre Entsprechung in Celans Gedicht „Engführung“ finden. Sowohl die Philosophie der Kunst als auch die Dichtung nehmen dabei die reale Gewalt der Katastrophe auf, ohne das Moment der Utopie zu tilgen. Kein souveräner Geist vermag mehr den extremen Widerspruch zu schlichten.

Buchbesprechungen

Dietmar Schmidt: Die Physiognomie der Tiere. Von der Poetik der Fauna zur Kenntnis des Menschen

Die enorme Konjunktur der animal studies, die Beschäftigung einer ganzen Reihe von Disziplinen mit Tieren in den letzten Jahren rührt nicht zuletzt daher, dass sich ausgehend vom Tier eine andere Geschichte des Menschen schreiben lässt. Dass und wie diese Geschichte von einer „Poetik der Fauna“ abhängt, hat der Literaturwissenschaftler Dietmar Schmidt in seiner Habilitationsschrift „Die Physiognomie der Tiere. Von der Poetik der Fauna zur Kenntnis des Menschen“ untersucht. Schmidt schlägt dabei einen beeindruckend großen Bogen von Sprachursprungs- und Fabeltheorien, Geologie und Zeugungstheorien des 18. Jahrhunderts über Goethes „Reineke Fuchs“ und seine naturphilosophischen Schriften, Nietzsches Tieren bis zur Physiognomie des Versuchstiers im frühen 20. Jahrhundert.

Patrick Eiden-Offe: Das Reich der Demokratie. Hermann Brochs „Der Tod des Vergil“

Was hat Hermann Brochs 1945 veröffentlichter Roman „Der Tod des Vergil“ mit den Überlegungen zu Demokratie und Totalitarismus zu tun, die Broch im amerikanischen Exil angestellt hat? Bislang ist der Roman, den Broch selbst als „esoterisch“ bezeichnet hat, vor allem metaphysisch als Auseinandersetzung mit dem Tod und dichtungstheoretisch als „Dichtung gegen die Dichtung“ (Paul Michael Lützeler, 95) gelesen worden – als poetisches Dokument für Brochs Überzeugung, dass die Ausdrucksformen der Dichtung den politischen Herausforderungen des Totalitarismus nicht gewachsen seien. Eiden-Offen gelingt es mit seiner Studie, die von Broch vorgegebene und von der Forschung weitgehend übernommene Trennung zwischen Dichtung und Politik, Brochs eigener politischer Theorie und seinem Romanprojekt zu überwinden und beide auf erhellende Weise aufeinander zu beziehen. Dabei liest er den Roman nicht einfach als „Anwendungsfall für die Lösungen der Theorie“, sondern erkennt, dass der Roman auch andere Lösungen und andere Fragen an die Probleme der Theorie heranzutragen vermag.

Elisabeth Kampmann: Kanon und Verlag. Zur Kanonisierungspraxis des Deutschen Taschenbuch Verlags

Verlagsgeschichten sind nicht jedermanns Sache. Auch wenn man mit Gewinn etwa Ungern-Sternberg über das Verlagswesen im 18. Jahrhundert liest, wenn die Geschichte des Hanser-Verlags oder Wittmanns Geschichte des Buchhandels Einblicke auch in die Literaturgeschichte oder in Samuel Fischers bzw. Peter Suhrkamps Leben bieten – die Geschichte des Buchwesens bleibt für den Literaturwissenschaftler als Kontext der Werke eine Randbedingung. Wenn jedoch gezeigt werden könnte, dass und wie Verlagsprogramme kulturelle Programmierungen wie den Kanon hervorbringen und steuern, dann müsste diese Perspektive korrigiert werden.

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